Ein Abschiedskonzert einer Band vom Punkopa. In Hamburg, in der Fabrik. Ich will hin, mein bester Freund will nicht mit. Mit dem ICE geht es los. Ich beginne die Reise nüchtern. Am Bahnhof esse ich etwas und lerne eine Frau kennen. Sie wartet auf einen Mann, den sie im Internet kennengelernt hat. Wir verstehen uns gut. Ich verabschiede mich und gehe zum Media Markt, um mir ein Diktiergerät zu kaufen. Ich will O-Töne vom Konzert aufnehmen. Vor der Fabrik erfahre ich, dass das Konzert ausverkauft ist.

Das war es dann. Ich frage den Sänger der Band, ob es noch Abendkasse gäbe. Er weiß es nicht. Ich lerne Zwillinge kennen, gehe mit ihnen zu einem Shop und kaufe Bier. Sie erzählen mir, dass manchmal vor Konzerten noch Karten verkauft werden. Als ich mitbekomme, dass jemand welche gerade bekommt, versuche ich durch überbieten, die Karte zu bekommen. Doch das ist nicht die feine Hamburger Art. Und so bleibe ich weiter im Schwebezustand. Beobachte einen Flaschensammler, der hunderte von Flaschen auf der Wiese sammelt. Dann winkt mir einer der Zwillinge zu, er hat einen Verkäufer entdeckt und an mich gedacht. Ich will dem älteren Herren mehr geben als die Karte gekostet hat, aber er winkt ab. Der Platz in der Fabrik ist somit gesichert.

Nachdem ich mich an der langen Schlange angestellt habe und drinnen bin, fange ich ein Gespräch mit den Leuten am Merchstand an. Sie haben Geschirrtücher und Jutebeutel mit dem Bandlogo. Ich kaufe nichts. Frage ob ich meinen Rucksack bei ihnen abstellen könnte. Das geht klar.

Dann verschwommene Erinnerungen. Ich sitze auf der Bühne mit meinem Diktiergerät, direkt neben einer Box und glaube das ich das Konzert so aufnehmen kann. Irgendjemand schüttet von oben Bier auf mich. Nach dem Konzert gehe ich hinter die Bühne. Baggere eine Frau an. Sie redet nicht mit mir. Ich versuche es auf englisch, französich, als ich französisch spreche lacht sie. Zwei Typen an einem Stehtisch beobachten die Szene. Der eine meint: Du bist voll das Arschloch.

Ich bin ziemlich besoffen. Beobachte, wie der Sänger die Frau auf die Stirn küsst. Schaue welche Speisen es hinter der Bühne gibt. Dann als der Sänger nach vorne geht, spreche ich ihn an. Frage ihn ob ich ihm ein paar Fragen stellen könnte, mit meinem Diktiergerät. Er lässt es zu, zeigt auf das Diktiergerät und sagt "Das habe ich gesehen". Und ich frage ihn, wie es weiter geht. Und er meint "Das weiß ich nicht". Als ich keine weiteren Fragen mehr rausbringe, geht er einfach schnellen Schrittes davon.

Ich gehe noch mal zum Merchstand, hole meine Tasche ab. Das war's mit Hamburg. Mit Bummelzügen fahre ich total besoffen zurück nach Nürnberg. Eine lange Fahrt. Hat es sich gelohnt?

Ein paar Monate später verwendete ich das Snippet in einem mehrteiligen Hörspiel. "Jens Rachut, Sie waren Sänger in Bands mit Namen wie Angeschissen, Dackelblut, Kommando Sonne-nmilch oder Oma Hans und haben überhaupt nichts mit diesem Hörspiel zu tun, wie geht es weiter?" und dann das Sample in Diktiergerätqualität "Das weiß ich nicht".
Es hat sich gelohnt. Ein Abenteuer, von dem nur diese Tonaufnahme blieb und eine vom Rausch verschwommene Erinnerung.