Das Abonnement

Matt S. Bakausky
Matt S. Bakausky

Kurzer Text zum Schlagwort: Abonnement

Es kommen ständig Push-Nachrichten rein zum Thema Nikotin. In meinem Kopf Bilder vom Nikotinkonsum, draußen fallen mir besonders die Raucher auf, wie sie konsumieren und am Automaten ihre ersehnte nächste Packung aus dem Schlitz holen. Diese Push-Nachrichten in meinem Kopf würde ich gerne abbestellen. Ich habe nie unterschrieben, dass ich sie empfangen möchte. Nun gut, heutzutage geht ja vieles per Klick. Feuerzeug, klick, einatmen und das ein paar Mal bis man davon abhängig wird.

Es ist heute Tag vier. Früher bin ich diesen Push-Nachrichten gefolgt und habe daraufhin Nikotin konsumiert - jetzt muss ich sie ignorieren. Denn der Geist ist stark, der Körper schwach. Der Geist kann das ignorieren. Mind Over Matter statt Mund mit Zigaretta. Es ist grausam, diese Sucht. Der Versuch des Entzugs macht es erst einem bewusst. Bewusst, wie abhängig man wirklich war. Aber da muss ich jetzt durch.

Zeit das Tagebuch eines Nikotinfreunds zu schreiben. Ich habe relativ spät mit dem Rauchen angefangen. War mal im Urlaub als Kind zu einer Zeit, als Zigaretten noch 5 Mark kosteten für eine Schachtel. Da habe ich eine Mark für eine Schachtel beigesteuert, dann, aber mich doch noch anders entschieden. Gegen das rauchen. Es gab ja in meiner Familie wenig Raucher, nur der bösartige Onkel rauchte wie ein Schlot. Rauchen musste also etwas mit dem Bösen zu tun haben. Also wollte ich als Kind nicht rauchen.

Auf Konfirmanden-Freizeit nahm ich mal einen Zug von einem Zigarillo, war aber nicht wirklich begeistert davon. Es kam alles erst später mit dem Alkohol. Der Alkohol war für mich die Einstiegsdroge ins Rauchen.

Ich fand es besoffen einfach coool, mit Zigarette im Mund herumzulaufen. Wenn man eine Droge verbieten sollte, dann den Alkohol. Aber, eigentlich sollte man gar keine Drogen verbieten. Nur sich selbst. Und ich verbiete mir jetzt Nikotin, weil es verdammt viel Geld kostet und die Erfahrung davon eigentlich langweilig ist.

Pro: Man kommt mit anderen Rauchern ins Gespräch, aber die klauen einen dann das Feuerzeug. Man gehört im eigenen Kopf zu den coolen, es ist ein Super-Alleinstellungsmerkmal.... "Hey, ich bin voll der krasse Junky, so wie die Jungs aus Trainspotting, nur dass mein Stoff legal ist und gefährlicher".

Contra: Man kommt fast nicht davon weg, außer man will es wirklich. Es kostet Geld, ohne einen besonderen Kick zu bringen. Gesundheitliche Nachteile werden auch gemunkelt (Stichwort: Krebs, Atemprobleme...).

Eigentlich muss ich nur die mentalen Push-Nachrichten ignorieren. Mein Psychiater sagt es dauert noch 3 Wochen, dann kann ich das Abonnement dieser endgültig kündigen. Und er weiß Bescheid, war er doch früher selbst starker Raucher.

Tagebuch