Das ideale Mittel gegen Schreibblockade

Matt S. Bakausky
Matt S. Bakausky

„Ich brauche etwas gegen Schreibblockade....“ „Ja, da hätten wir dieses Mittel: Hemopfjas B. Täglich zwei Löffel davon und sie gehen ab wie Schiller!“ Danke, sagte ich und nahm die Flasche mit für 39.99 €. Das Zeug schmeckte widerlich, aber es half... Zwei Löffel haha, an die Höchstdosen habe ich mich nie gehalten, also nahm ich gleich mal zehn Löffel. Da musste ich schnell auf Toilette rennen und mich übergeben... also nochmal zehn Löffel. Denn der Wirkstoff war nun in meinem Klo und das würde wahrscheinlich nicht zu Schreiben beginnen, denn das Medikament war für Menschen nicht für Sanitäreinrichtung gedacht.

Als ich mich dann an meine Schreibmaschine setzte fingen meine Finger nur so an über die Tasten zu zittern. Ich konnte gar nicht aufhören zu schreiben. In meinem Kopf brodelte es von Ideen. Ein Mann in einem Haus, er arbeitet als Henker nebenberuflich und hauptberuflich ist er Kindergärtner. Wow, was für Ideen. Vielleicht hatte ich doch zuviel von diesem Mittel genommen. Der Henker trägt, um sich sein Gehalt aufzustocken, jeden Sonntag bei der Ermordung von Kriminellen, eine Henkersmütze – so können auch die Kinder zuschauen, ohne dass sie am Montag dann Angst haben vor ihm, weil er so ein brutaler Mensch ist. Doch dann bekommt seine Freundin ein Kind und außerdem will die GEZ Vorrausszahlungen für die nächsten 10 Jahre und somit hat der Henker/Kindergärtner das Problem, dass er einen dritten Beruf aufnehmen muss, um mit dem finanziellen Fiasko klarzukommen. Er entscheidet sich dafür Zeitungen auszutragen.

Sonntags nachdem er einen Kriminellen ermordet hat, wäscht er sich die Hände rein und zieht sich seine Zeitungsausträgeruniform an. Klingelt bei den Leuten an der Tür und bringt die Sonntagszeitung. „Sie sind ganz schön spät dran!“ sagt da eine alte Oma... und er antwortet: „Ja, tut mir Leid ich muss die GEZ-Gebühren der nächsten zehn Jahre abbezahlen und meine Freundin bekommt ein Kind und ich muss deshalb drei Jobs aufeinmal machen!“ Irgendwo da habe ich den Faden verloren und meine Finger tippen weiter. Ich lese in der Packungsbeilage von Hemopfjas B, dass man davon höchstens 4 Löffel am Tag nehmen darf, ansonsten wachsen einem Insekten unter der Haut.. Und just in diesem Moment fangen meine Arme an zu jucken und ich muss mich kratzen, ganz wild denn meine Finger wollen eigentlich auf der Schreibmaschine tippen... Ich kratze bis meine Arme blutig sind und dann kommen da kleine lilane Käfer raus mit Flügeln und fliegen um mich herum... Schrecklich, dieses Leben als Schriftsteller. Dann fangen meine Beine an und ich kratze mich auch da und es kommen riesige Ameisen zum Vorschein, die beginnen die Hautfetzen, die unter meinem Schreibtischstuhl liegen, einzusammeln und verschwinden damit unter dem Bett.

Ich schreibe einfach weiter, der Mann ist also jetzt geplagt mit drei Jobs und einer Frau, die hochschwanger auf ihm zu Hause wartet und nur auf Streit aus ist aufgrund der hormonellen Umstellung. „Du Versager, ich habe dir doch gesagt, dass du den gelben Sack mit nehmen sollst, wenn du gehst! Jetzt bleibt der Dreck für 2 Wochen hier im Haus oder wie? Nichst bekommst du auf die Reihe. Ich habe durchaus was besseres verdient!“. Der Henker/Kindergärtner/Zeitungsausträger sagt „Ja Frau, du hast Recht, ich bin ein Versager. Aber ich hatte es im Leben nicht leicht. Wollen wir heute vielleicht einen Film anschauen, auf Netflix wurde 'Der Kopfhörer des Grauens II“ hinzugefügt.“ - „Ich hasse die Filme, die du magst! Wir haben nichts gemeinsam! Wäre der Sex nicht so gut, dann wäre ich schon längst mit einem anderen durchgebrannt! Und jetzt hast du mir auch noch ein Kind in den Leib gebumst und ich bin dadurch für die nächsten 20 Jahre an deine Versagergene gebunden!“

So wie es aussah hatte es der Mann nicht leicht und er war froh, wenn er nach einer durchgesexten Nacht, denn seine Frau war Sex-hungrig aufgrund der hormonellen Umstellung, wieder arbeiten konnte. Von 8 bis 18 Uhr im Kindergarten. Kindern Geschichten vorlesen, wie die von dem Hamster, der auf der Suche nach dem Tier war, die ihm auf dem Kopf geschissen hatte. Oder war es ein Maulwurf? Geschichten, die man den kleinen Kindern halt erzählt, damit sie auf das Leben vorbereitet werden.

Da saß ich nun mit meinen blutig zerkratzten Beinen und Armen da umschwirrt von Insekten.... aber mir war eins klar, wenn ich meine Geschichte zu Ende schreiben wollte, würde ich mehr von diesem Wundermittel brauchen, also ging ich zum Arzneimittelschrank und besorgte mir das Fläschen „Hemopfjas B“ und trank es leer. Wieder an der Schreibmaschine tippte ich so schnell, dass die Finger und die Tasten zu einer Form wurden, man konnte keine Unterschiede mehr erkennen.

Der Kindergärtner/Henker/Zeitungsausträger hatte einen Nervenzusammenbruch auf seiner Arbeit im Kindergarten. Er war einfach fertig nach dem Morden von Verbrechern, Zeitungsaustragen und einer Nacht voller Streit und Sex mit seiner schwangeren Frau, er konnte sich nicht mehr zusammenreißen. Er musste einem Kind wieder die Geschichte vorlesen vom Maulwurf, den jemanden auf dem Kopf gekackt hatte und der nun auf der Suche war nach dem Tier, welches das getan hatte. Dabei blieb er noch ruhig, doch dann machte es Pling in seinem Gehirn und er verwechselte seine Berufe. Er sammelte die Kinder ein, tat sie in einen kleinen Transporter und verteilte sie an die Briefkästen des nahe gelegenen Wohnbezirks. Zuviel ist zuviel und so wurde er in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

Er wurde gefragt, was er beruflich mache und er antwortete: Kindergärtner, nebenberuflich Henker und Zeitungsausträger. Der Arzt erkannte das Dilemma. Der Patient vor ihm war einfach völlig bekloppt. Dem war nicht mehr zu helfen. Aus Gründen seiner Professionalität verordnete der Arzt ihm Psychopharmaka auf doppelter Höchstdosis und sperrte ihn mit einem Paranoiker und einem Maniker in eine Zelle.

Ich merkte plötztlich, dass meine Hände ebenfalls zu jucken begannen, als ich diese bis auf die Knochen aufkratzte, kamen kleine Bienen zum Vorschein.... ich hatte eine Bienenallergie, beschloss also schnellstmöglich meine Wohnung zu verlassen. Ich war mir sowieso nicht so sicher, ob die Geschichte, die ich niedergeschrieben hatte irgendeinen Sinn machte.... Mir war nur klar, dass ich wieder zur Apotheke musste. „Ich habe zuviel Hemopfjas B genommen“ … „Wieviele Löffel denn? Drei?“ - „Ich habe die ganze Flasche aufgebraucht und dann wuchsen Insekten in meiner Haut und ich habe sie freigekratzt“ … „Aja, das ist eine bekannte Nebenwirkung, haben Sie die Packungsbeilage nicht gelesen?“ - „Doch, doch, aber ich bin es gewohnt hohe Dosen von Medikamenten zu nehmen, ich dachte es macht mir nichts aus, außerdem war ich gerade so sehr im Schreibfluss und wollte nicht, dass es wieder aufhört zu wirken“ - „Ja, Sie sehen scheiße aus, ihre ganze Haut ist ja zerkratzt. Ich hätte hier eine Salbe für Sie Bepanthen Ultra. Das hilft bestimmt. Und gegegen die Insekten kann ich ihnen die Adresse von einem hervorragenden Kammerjäger geben, Dr. Dieter Gruber in der Alois-Straße 24“ - „Danke, geben Sie mir am besten drei Packungen von dieser Salbe... und ich brauche mehr Hemopjfas B... vielleicht so zehn Flaschen.“ „Als vereideter Apotheker darf ich ihnen nicht soviel verkaufen, das ist ungesund!“ … „Es ist nicht für mich, sondern für die Enkelkinder der Putzfrau meiner Nachbarin. Sie würden gerne ihrer Oma Briefe schreiben, haben aber eine Schreibblockade.“ - „Wenn das so ist! Macht es 460.22 €.“

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