Eine Party. Bringe deinen eigenen Wein und draußen. Ich habe mein eigenes Gift dabei: fünf Dosen Bier mit Energydrink-Geschmack. Von so 'ner Fernsehbrauerei. Erzähle einer Bekannten, dass ich aussehe wie ein Penner mit Dosenbier und meinen langen Haaren. Ich wollte die Frisur mal ausprobieren, bevor ich zu alt und seriös dafür bin. Sie streitet es ab, sagt, dass ich gar nicht wie ein Penner aussehe. Denke mir, dass sie mir nur Schmeicheln will, dass sie mein Selbstbewusstsein steigern will. Das ist so bei Menschen, denen es gut geht und die sehen, dass sich jemand anderes selbst schlecht macht. Also die Frisur stand mir wirklich nicht – außer einmal als ich auf einem Boot im Mittelmeer stand und meine Haare im Wind wehten, da war sie schon einigermaßen cool auf dem Foto. Ich gehe weiter und treffe auf eine Gruppe. Labere sie an und sie werden aggressiv und wollen das ich gehe. Ein Bekannter aus der Kindergartenzeit kommt vorbei und überzeugt mich, dass das die falschen Leute für mich sind und bringt mich zu einem guten Freund von mir. Wir unterhalten uns über Lebensbegleiter von früher und wie es jetzt um uns steht. Um mich steht es nicht gut, ich bin besoffen. Alkohol ist keine schöne Droge. Sie schwächt die Sinne und enthemmt mich. Lässt mich zu etwas werden, was ich nicht sein möchte. Ich trinke weiter mein Energy-Gemisch und es schmeckt immer besser. Es wird zur Routine. Bis der Rucksack leer ist. Bis der Schmerz weg ist und der Verstand auch. Irgendwann leert sich die Party. Nur noch die Pegnitz, die Wiese, die Bänke und ich sind da. Sowie mein Kindergarten-Bekannter und ein Freund von ihm. Ich stehe rum, bin nicht in der Lage meinen Nachhauseweg zu planen. Vielleicht würde ich jetzt einfach völlig betrunken allein nach Hause laufen. Da bietet mir der Freund vom Kindergarten-Bekannten an, mich nach Hause zu begleiten. Fragt mich, ob ich noch weiß, wo ich wohne. Ich sage ihm einen ungefähren Ort. Wir verabschieden uns vom Kindergarten-Freund und ziehen los. Andreas heißt mein Schutzengel. Er redet mit mir, stellt mir Fragen, beteiligt mich am Gespräch, dass ich bei Bewusstsein bleibe. Wir machen öfters Pausen. Als wir einen Tunnel passieren, sage ich ihm »Lass mich hier zurück. Ich verstehe sowieso nicht, warum du das machst.« Und er sagt: »Hey, Bros lassen Bros nicht im Stich«.

Ich komme schließlich zu Hause an, er verabschiedet sich und zieht weiter.

Seitdem habe ich ihn nie wieder gesehen. Ein Freund ist nicht jemand den man einfach schon lange kennt, ein Freund ist jemand, der sich wie ein Freund verhält. Der einen nicht im Stich lässt.

Bis heute – acht bis zehn Jahre später – steht Andreas auf meiner Facebook-Freundesliste und ich drücke »Gefällt mir«, wenn er etwas postet. Aber nicht, weil er mich, als ich mich selbst in den betrunkenen Zustand versetzte, sicher nach Hause brachte, sondern weil er richtig gutes Zeug teilt. Na gut, vielleicht sehe ich doch in diesem einen Moment, eine kurze Freundschaft. Eine Erinnerung wurde geschaffen, die heraussticht, aus meiner Zeit als ich lange Haare hatte und saufen für mich die einzige Möglichkeit war unter Menschen zu sein. Jahre später traf ich einen Bekannten, der  zu viel getrunken hatte, an und begleitete ihn in Richtung nach Hause, weil ich mich an die Situation erinnerte. Er war mir ähnlich dankbar, wie ich es bei Andreas war.