Geheimwissen im Waschsalon

Matt S. Bakausky
Matt S. Bakausky

“Das World Trade Center weiß alles” sagt er. Manchmal bin ich mir nicht sicher ob Menschen in ein für mich nicht sichtbares Headset reden oder ob sie mit jemanden Unsichtbaren reden.

“In Herzogenaurach ist einiges los” erfahre ich weiter. Beim jungen Mann mit Brille und Armeejacke übersehe ich ganz sicher kein Headset. Als ich mich zum Trockner setze und auf das Finale warte, höre ich noch: „Ich bin mir ganz sicher, dass Gas keinen Geruch hat und Corona auch nicht“. Dann verlässt er den Salon und verkündet draußen sein Wissen weiter.

Ich weiß nicht was zu tun ist, Passanten grinsen in sich hinein oder laufen Blickkontakt vermeidend vorbei. Der alte Herr aus dem Waschsalon hatte sich zuvor rechtzeitig mit einem „Ade“ aus der Situation verabschiedet.

Hier drinnen die Geräusche der Maschinen. Draußen wartet der Mann in Armeejacke auf jemanden. Vielleicht auf Gott. Das ist mir wohl bekannt und durchaus nicht hilfreich.

Er sagte „ich habe keine Angst, der einzige vor dem ich Angst haben muss, ist Gott“ und etwas davon, dass ihn Leute in Ruhe gelassen hatten, nachdem er sie mit seinem Handy filmte.

Dieser Besuch im Waschsalon ist keineswegs ein beruhigender, wie es die bisherigen waren. Nun ja, ich fühle mich ruhig, jedoch liegt etwas in der Luft.

Früher war ich besser drauf, doch nun vergesse ich die Geräusche der Maschinen und denke zu viel nach.

Zeit nach draußen zu gehen. Der Trockner wird noch eine Weile brauchen. Und trotz Armeejacke wirkt der Mann des geheimen Wissens harmlos. Zu weit weg von seinem Körper scheint er zu sein.

Das World Trade Center ist hiermit offiziell geschlossen. Der Waschsalon hat noch bis 22 Uhr geöffnet.

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