Allein in Fürth. Der Navigator sagte ständig: In 250 Metern halb links abbiegen. Was bedeutet halb links? Eine 180 Grad Drehung hätte ich verstanden. Das Handy schaltet sich ab.

Vor einem Italiener am Eck traf ich einen kompetent aussehenden Herren. Ich fragte ihn nach der Friedrichstraße und er wusste wo sie ist. Komplett falsche Richtung. Er musste in die richtige Richtung, also unterhielten wir uns. Was ich denn in der Bibliothek wolle? Ich erzählte, dass ein Bekannter von mir lesen würde. Er überlegte kurz mitzukommen. Eine Lesung um die Uhrzeit, in Fürth. Das fand er bemerkenswert.

Sein eigentlicher Plan war der Keller des Manhattans. Da gäbe es Jazz. Er sah gepflegt aus, im Leben etabliert. Das mit dem Handy-Akku verstand er, es liege tatsächlich an der Kälte.

Als ich wieder allein war folgte ich der Beschreibung. Ich fragte noch eine Frau nach der Bibliothek. Sie kannte sie nicht, sei nur zum Arbeiten hier. Aber die Friedrichstraße sei da vorne.

Am Ziel angekommen sah ich den Lugauer fein gekleidet im 4. Stockwerk Texte vortragen. Ich lief möglichst leise, um nicht zu stören. Das Terrazza war gut besucht. Eine Frau zeigte mir einen freien Platz, ich musste aber schon seit Gostenhof auf Toilette. Hatte gehofft, dass es eine im Café geben würde. Erleichterung im 3. Stock. Kompliziert, wieder aus der Toilette herauszufinden. Soviel unbeschriftete Türen und beim "Notausgang" der Hinweis, dass ein Alarm losgeht, wenn man die Türe nicht richtig schließt.

Das Publikum lachte viel bei den humoristischen Texten von Andreas. Dann kam eine Poetry Slammerin auf die Bühne. Sie trug Texte vor über einen Urlaub in Madrid und später ein Werk aus der Sicht eines unter der biopolaren Störung lebenden Menschen. Ich dachte mir, dass das doch irgendwie Aneignung wäre, wenn man nicht selbst betroffen ist. Aber ja es ist ja ein Text und sie will zur Entstigmatisierung beitragen. Das könnte funktionieren.

In der Pause ein Bier mit Felix, Theo und Immanuel. Lugauer trägt in seinem 2. Block Gedichte vor. Zum Beispiel über den Plastikzitronensaft. Keiner weiß wo er im Supermarkt steht. Auch zu einem rechten Gender-Gaga-Buch hat er eine Rezension in dadaistischer Gedichtform geschrieben. Ohne es gelesen zu haben.

Ich muss mich in das Thema Poetry Slam erst mal reinhören, bei der Veranstaltung ging es mir so wie früher mit Rap. Die Texte waren nicht so leicht zugänglich für mich - ist wahrscheinlich Gewöhnungssache. Die Mitmachnummer bei der das Publikum laut "NEIN" schreien durfte, gefiel mir.

Die musikalische Begleitung war auch gut. Ein Song über Klischees in Country-Songs, wie "I shot a man just to watch him die" (Johnny Cash) und über eine Freundschaft bei der man merkt, dass es nicht reicht sich lange zu kennen und man sich irgendwie auseinandergelebt hat.

Insgesamt ein abwechslungsreicher Abend. Gegen Ende dann eine Nachricht per WhatsApp. Nummer ist mir nicht bekannt. Mein Handy ging wieder - mit 10% Akku. Eine Dame schrieb und meinte, dass sie mich vor einen halben Jahr kennengelernt hätte. Wie es mir ginge und was ich so mache. Ich fragte Theo was ich tun soll. Ist das etwa eine neue Form von Spam? Auf dem Foto war eine Frau mit Maschinengewehr abgebildet. Ich fragte ob das ein bekanntes Foto sei. Sie wusste in welcher Gegend ich wohne. Theo meinte, dass ich einfach schreiben soll "Hilf mir auf die Sprünge".

Soll ich mich mit ihr treffen? Wäre ein Abenteuer wert. Dann wäre das jetzt ein Cliffhanger für eine Fortsetzung. Oder das Ende von mir.