Eine Fahrkarte für zwei Personen nach Berlin. Keiner der beiden stand auf dem Ticket. Der Käufer war verhindert. Jedoch sagte ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn, dass es mit einer Vollmacht gehen würde.

Voller Vorfreude auf Berlin bei Tag und Nacht, tranken sie Wein. Euphorisiert liefen sie zur Tram zum Bahnhof. Dabei tönte Musik aus einer Bluetooth-Box. „In Berlin machen wir das nicht“, begann der eine, „aber in Nürnberg ist mir das egal“ Die jazzigen Klänge untermalten den Weg wie einen Film. Der andere begann die Szene zu kommentieren wie in einem Woody Allen-Film.

Am Bahnhof im Reisebüro wollten sie - um sicher zu gehen - nachfragen ob das Ticket so gültig sei.
In der stark beheizten Halle der Beratung der Deutschen Bahn muss eine Nummer gezogen werden. Wie beim Einwohnermeldeamt oder bei KFC. Die Frau am Schalter betrachtete erregt das Onlineticket. Dann verkündete sie leicht schadenfroh „Dieses Ticket ist Schrott“ und erzählte davon dass es wertlos sei und nur für die Person gelte, die auf dem Ticket steht. Überhaupt sei die deutsche Bahn eine Aktiengesellschaft und der Internetverkauf würde sie zerstören. Ihr den Arbeitsplatz wegnehmen, der Jugend die Möglichkeit nehmen im gut beheizten Reisebüro diese erfüllende Arbeit auszuführen. Online ist die Konkurrenz, nein, der Tod.

„Und was passiert im schlimmsten Fall?“, fragte der andere. „Sie fahren schwarz und müssen das Ticket nachlösen.“ - „Was macht das?“ - „140€ pro Person nur für die Hinfahrt“. Das jetzt ungültige Supersparticket hatte 20€ gekostet.
Den beiden wurde noch viel Glück gewünscht und gesagt, dass sie auf jeden Fall den Lokführer vorher fragen müssen, ob das Ticket so akzeptiert wird.
Das wäre es dann aus den Augen der Frau gewesen mit Berlin für die beiden. So wie es für sie eines Tages gewesen sein wird, aufgrund des bösartigen Onlineverkaufs.

„Wir werden nicht den Lokführer fragen“, sagte der eine. „Wir machen das einfach“, sagte der andere.

Die Stimmung war angespannt. Sie machten aus, dass sie für den Schaffner wie Engel aussehen müssen, um dessen Kulanz zu erhaschen. Kein sichtbarer Alkohol, still und freundlich verhalten.

Der Bahnhof wurde verlassen. Neben dem einen saß eine Frau, die ständig auf ihr Handy mit asiatischen Schriftzeichen starrte. Während der eine zur Beruhigung etwas vom Wein trank, lehnte der andere ab, um vorbereitet zu sein auf eine mögliche Konfliktsituation.

Dann war es soweit. Das Ticket, der Ausweis des einen und die Vollmacht lagen auf dem Tisch. Der Schaffner scannte den barcode ein. Und wollte gerade gehen, da sagte der eine „Darf ich Ihnen eine Frage stellen?“ Der andere bekam einen erhöhten Puls. „Wie kann man hier auf dem Handy Filme schauen?“

Sie schauten Hangover über die Onboard App. Eine gute Vorbereitung für 3 Tage Berlin.