Der Park leuchtet in der Sonne. Ein riesiger Baum strahlt mich an, winkt mir zu mit seinen Ästen. Ein Schild sagt mir, dass Fußball spielen verboten ist. Ich habe keinen Fußball dabei. Trage ein Deutschlandtrikot ohne Spielernummer. Vielleicht bin ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Es scheint mir so. „Mit dem DFB kommst du überallhin“, sagte die alte Frau im Warteraum als sie mein Trikot betrachtete. Die Rinde am Baum ist schon abgebröckelt, als hätten Rehe am Stamm genagt. Die Welt zerfällt und das seit Millionen von Jahren. Genau kann ich mich nicht erinnern, seit wann es so ist. Aber es war schon immer so, da bin ich mir sicher. Gehe weiter, betrachte den Brunnen, er ist voller Erde und kein Wasser fließt. Kleine Pflänzchen strecken sich Richtung Licht. Und auch ich bewege mich Richtung Licht, denn im Schatten ist es kalt. Menschen gehen vorbei mit Kinderwägen. Sie beachten mich nicht, ich beachte sie nicht. Als wäre da etwas zwischen uns, ein Kokon. Oder als wäre ich unsichtbar. Das ist es wahrscheinlich. Ich war schon immer gut im Verstecken spielen. Blicke mich um nach einem guten Versteck. Vielleicht würde ich mich da auf die Bank setzen, sodass man mich hinter dem Busch nicht sieht. Ich mache es einfach. Schließe die Augen und meditiere. Die Welt verschwindet, ich verschwinde. Mir kann niemand mehr etwas. Als ich die Augen öffne, sitzt Danial neben mir. Neben ihm eine Supermarkt-Tüte. Er sagt erst mal nichts. Ich bin leicht verwundert ihn hier zu treffen. Hier in meinem Versteck. Aber er war schon immer gut im Finden. Ich frage nach „Wie bist du hier hergekommen?“ - „Mit dem Auto, ein Reifen ist kaputtgegangen auf dem Weg und wenn der Reifen repariert ist, werde ich wieder wegfahren.“ Danial spricht gerne in Metaphern. „Kennst du Moses?“, fragt er mich. Ich sage: „Ja, der Mensch der das Meer geteilt hat mit einem Zauberstab.“ - „Moses hatte zwei Stäbe“ fährt er fort „Du hast bereits den ersten und musst den zweiten Stab finden“. Ich frage mich wie er das meint. Betrachte ihn, den Türken der neben mir sitzt. Ein einfacher Mensch dem Anschein nach. Mit seiner Plastiktüte sitzt er da. Ich habe nie gefragt, was da eigentlich drin ist. Er fragt mich „Hast du ein Problem mit Ausländern?“ Ich denke zurück an den Jungen aus meiner Kindheit, der mich immer gemobbt, manchmal gar geschlagen hat. Aber spreche es nicht aus. „Ich habe mal einem türkischen Jungen Nachhilfe gegeben, aber irgendwann hatte ich keine Lust mehr.“ - „Keine Lust mehr“, wiederholt er nachdenklich. Dann sagt er: „Lass uns spazieren gehen“. Und wir laufen gemeinsam durch den Park. Er läuft erst links von mir, dann wechselt er die Spur und läuft rechts von mir. Robotisch mache ich mit. Das fällt mir in diesem Moment auf. Er sagt: „Ist es nicht wunderschön hier?“ - „Ja“, antworte ich und blicke auf die Wiese, die Bäume, höre die Vögel zwitschern. „Alles ist Allah“, sagt er und fährt fort: „Ich schwimme gerne, leider ist das Schwimmbad gerade zu, aber wenn es wieder aufmacht, können wir zusammen schwimmen gehen“. Ich erinnere mich an eine Episode, wie ich in den See im Park gesprungen bin, um mich selbst zu taufen. Es regnete in Strömen. Ich bin dabei auf irgendwas im See getreten, eine Zehe blutete danach. Im Krankenhaus wurde ich erst mal geimpft. „Bald gibt es Abendessen“, sagt Danial nun, „du kannst mich gerne mal besuchen kommen“. Ich bleibe stehen und er geht davon.

In Erlangen im Klinikum gibt es ein Schwimmbad. Ich bekomme eine Badehose gestellt, ziehe mich in der Umkleide um. Ein Yogi sitzt da als Bademeister. Ich komme nicht an ihm vorbei. Er weicht nicht aus, bleibt dort verwurzelt sitzen. Sagt, ich soll durch die andere Tür gehen. Ich schwimme ein paar Runden und erinnere mich an Danial. Dass er mit mir schwimmen gehen wollte. Und wie schön es doch ist, fast schwerelos im Wasser zu gleiten. Als Kind war ich oft schwimmen, liebte es zu tauchen. Doch mit dem Alter habe ich das immer seltener gemacht. Und jetzt schwimme ich und Danial ist bei mir.